Rechtsform UG

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs zum Thema Rechtsformwahl bei der Unternehmensgründung. Hierbei handelt es sich ausdrücklich um eine kurze Darstellung der Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt (UG). Die ganze Thematik ist natürlich noch weitaus komplexer (vielleicht gibt es bald noch mehr ;)). Da ich mich mit dieser Thematik auch schon mehrfach auseinander gesetzt habe, möchte ich hier etwas Wissen teilen. Der Beitrag richtet sich insbesondere an junge Kleingründer mit wenig Erfahrung in diesem Bereich.

Hintergrund

Seit einigen Jahren gibt es die UG, welche insbesondere Unternehmensgründer bei ihrem Vorhaben unterstützen soll. Bei der UG handelt es sich im Grunde um den kleinen Bruder der GmbH. Während man allerdings bei der GmbH zur Gründung 25.000 EUR Stammkapital benötigt, genügt bei der UG theoretisch (!) 1EUR. Gerade deshalb erscheint diese Rechtsform gerade für junge Gründer sehr attraktiv.

Doch Vorsicht! Es ist nicht alles Gold was glänzt und gerade deshalb muss man auch hier 3x hinsehen.

Im Nachfolgenden soll die Rechtsform aus praktischer Sicht etwas näher beleuchtet werden. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ich kein Rechtsanwalt bin und die Ausführungen lediglich meinen persönlichen Erfahrungen und meinen Erinnerungen an Gespräche mit mehreren Rechtsexperten entspringen.

Bewertung

Die Bewertung an dieser Stelle bereits vorab:
Die UG klingt zunächst verlockend — insbesondere aufgrund vieler Irrtümer, die damit verbunden sind. Die Rechtsform eignet sich darum absolut nicht für jedes Vorhaben! Es ist im Einzelfall abzuwägen und ggf. externer Rat einzuholen. Ein möglicher Verkauf des Unternehmens wird nicht berücksichtigt — hier gibt es weitere (insb. steuerliche) Aspekte zu beachten!

Vorteile

Nachteile und Irrtümer

Für wen eignet sich die UG?

Die UG eignet sich für Gründungsvorhaben, die klar auf die Gründung einer GmbH abzielen und dies durch entsprechende Umsätze auch zeitnah (binnen 3 Jahren) erreichen können. Die UG kann als Übergangsrechtsform genutzt werden. Allerdings gibt es viele Gründer, die auch hier rückblickend festgestellt haben, dass die UG hier deutlich mehr Aufwand mit sich bringt, als etwa eine GbR (siehe etwa Interview mit Coskun Tuna hier).

Eine UG kann sich zudem eignen, wenn man bereits zu Beginn unkompliziert Unternehmensanteile an viele unterschiedliche Personen veräußern möchte (bspw. mehrere Business Angel). Auch Venture Capital Unternehmen investieren in der Regel nur in Kapitalgesellschaften.

Die UG eignet sich ferner für Gründungen, die Geschäfte mit Haftungsrisiko tätigen — bspw. Import/Export. Wichtig: Das Risiko darf nicht darin bestehen, dass die Geschäfte selbst ein hohes Risiko beinhalten (bspw. Finanzspekulationen). Grundsatz: Wer die Haftungsbeschränkung anstrebt, weil er damit rechnet, dass er sie zu mind. 50 % benötigt, dem bringt sie effektiv nichts.

Hinsichtlich Steuerersparnis bei einem potenziellen Unternehmensverkaufs kann sich die UG als Holding auch anbieten. Das ist aber ein anderes Thema.

Für wen eignet sich die UG nicht?

Die UG eignet sich nicht für besagte Unternehmungen, bei denen bewusst starke Risiken in Kauf genommen werden und die deshalb eine Haftungsbeschränkung anstreben. Ebenfalls ist die Rechtsform für Gründungen ohne oder mit geringem Haftungsrisiko unnötig.

Die UG ist darüber hinaus für kleine (meist kurzweilige) Projekte nachteilig — insbesondere, wenn der Gesamtumsatz nicht mindestens im mittleren 6-stelligen Bereich liegt.

Die UG eignet sich in keinem Fall für Gründungen, die man einfach mal ausprobieren möchte!

Fazit

Den meisten Gründern müssen hinsichtlich der UG immer wieder die Augen geöffnet werden, da viele Nachteile übersehen (und von den meisten Infoseiten im Netz bewusst verschwiegen) werden!
Die UG kann sich für den ein oder anderen lohnen (insbesondere, wenn der Umsatz hoch, die GmbH sowieso zeitnah angestrebt ist oder das Geschäftsmodell von der Haftungsbeschränkung profitiert ohne von den Nachteilen limitiert zu werden), meist ist jedoch eher eine GbR oder vergleichbare Rechtsform zu wählen (ggf. mit entsprechenden Versicherungen). Diese kann leicht in eine GmbH transformiert werden, wenn es läuft und kostengünstig aufgelöst werden, wenn es nicht läuft. Von einer englischen Limited ist in den allermeisten Fällen ebenfalls abzuraten (ähnliche Vor- und Nachteile)!

Einen tollen ergänzenden Beitrag findet man aktuell hier:
Klick dich zum Beitrag auf gruenderszene.de

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Tech Founder, Leader, End-to-End Product/Program Manager, Full-Stack Developer, Marketing and Digitalization expert. 🚀 https://jenskuerschner.de

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Jens Kuerschner

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